Heute früh fuhr ich mit meinem Hundemädchen in den Wald. Der morgendliche Nebel hing noch über dem Boden, aber die Sonnenstrahlen bahnten sich schon mit wunderschönen Lichtspielen ihren Weg Richtung Erde.
Diese Stunden sind die Zeit der Wildtiere. Alles ist noch ruhig, die Massen von Menschen an einem Sonntag sind noch fern. Ich liebe diese Stimmung, ebenso wie den Abend, wenn die Tiere wieder aus den Verstecken hervor kommen.
Möchte man diese Stunden zusammen mit seinem Hund teilen und erleben, dann ist man den Wildtieren noch mehr verpflichtet, den Hund unter Kontrolle zu haben. Daher habe ich mich immer bemüht, meinen Hunden das Beobachten von Tieren und nicht das Jagen beizubringen. Dieses Training ist schweißtreibend, mühselig, man muss endlose Geduld aufbringen, darf nicht ungerecht dem Hund gegenüber werden und vor allem muss man lernen, die eigenen Augen und Ohren noch mehr zu schärfen, um Wild VOR dem Hund wahrzunehmen. Das ist ein schwieriges Unterfangen, da der menschliche Geruchssinn im Vergleich zum Hund sehr rudimentär ist und dieser aber für den Hund noch wichtiger ist, als die Augen und Ohren selber. Natürlich könnte ich meinen Hund an die Leine nehmen, aber für sie gibt es auch nichts schöneres als frei durch den Wald zu laufen.
Daher haben sich in den Jahren meine Sinne gut entwickelt und sie erlauben mir, die Geschehnisse im Wald mit anderen Augen und Ohren wahrzunehmen. Und trotzdem passieren dann so Dinge wie heute früh… ich war am Träumen.
Gedanken verloren ging ich des Weges, beschaute mir die zarten neuen Blätter der Traubenkirschen und Birken, war fasziniert von den Sonnenstrahlen, welche sich den Weg durch den leisen Nebel bahnten. Mein Hundemädchen lief ein paar Schritte voraus… und blieb plötzlich stehen und setzte sich hin. Ich hatte sie noch rechtzeitig bemerkt, sonst wäre ich über sie gefallen. Und dann sah ich, warum sie stehenblieb… ein Rehbock stand vor uns. Ich würde sagen ca. 7 Meter… zwei Sätze von meiner Hundine und sie hätte ihn locker gehabt. Der Wind muss ungünstig für den Bock gestanden haben. Er stand da, schaute uns an, kaute noch an seinem Grashalm. Ich dachte nur, bewege Dich jetzt bloß nicht, tue nichts, was deinen Hund dazu aufmuntern könnte loszulaufen. Aber sie war entspannt, schaute sich den Bock an, hielt den Kopf schief. Ich kniete mich zu ihr hin. Eine so wunderschöne Atmosphäre. Ich weiß nicht, wie lange wir drei uns so angeschaut haben… Der Bock schien auch sichtlich entspannt, denn er begann wieder mit dem Äsen. Da ich nicht an ihm vorbei wollte, stand ich irgendwann auf und gab meiner Hundine das Zeichen zum Rückzug und sie trottete ganz lieb hinterher. Als wir ein paar gute Meter gegangen waren drehte ich mich nochmal um und der Bock stand immer noch da und schaute auch zu uns rüber.
Es war so ein wunderschönes und friedvolles Erlebnis und lässt all die Zeit und Arbeit des Anti-Jagd-Trainings vergessen. Ernte, was du sähest… Danke mein Hundemädchen, dass ich solch einzigartigen Momente mit Dir teilen darf!



Kann ich bestätigen. Es ist wirklich schön, wenn selbst die Wildtiere merken, dass sie vor einem Hund nichts zu befürchten haben.
Zu Frauchens großer Freude, pflege ich auch einen sehr entspannten Umgang mit dem Wild. (Siehe Video:
http://alexdogblog.blogspot.com/2007/08/alle-hunde-jagen-kaninchen-jgerlatein.html
Von: Alex am April 13, 2008
um 12:14