Verfasst von: sui fēng | 18. September 2009

Nijo-jo oder wenn die Nachtigall singt

Unsere erste Station fuer diesen Tag war das Niji-jo. Da das Bus-Netz in Kyoto extrem gut und guenstig ist, haben wir uns fuer diese Art der Fortbewegung entschlossen gehabt. Zudem gibt es Ueberirdisch mehr zu sehen als unter der Erde.

Nijo-jo

Das Nijo-jo, oder Burg Nijo, wurde 1603 von dem ersten Tokugawa Shogun Ieyasu angelegt und 1626 vom dritten Tokugawa Shogun Iemitsu fertiggestellt. 1939 wurde es der Stadt Kyoto uebergeben und 1994 als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt.

Das fuer mich beeindruckenste an dieser Burg befand sich im Innern, wo das Fotographieren leider verboten gewesen ist. Die Raeume waren so, wie man sich Raeume eines Shoguns in Samurai-Filmen vorstellt. Tatami-Raeume, Holzboeden, Schiebetueren aus Papier, wunderschoene, aber dezente Gemaelde. Fuer jeden Anlass einen eigenen Raum – fuer den Empfang von guten Bekannten, fuer den Empfang von nicht so guten Bekannten, ein Raum zum Entspannen (zur zu betreten vom Shogun selber und den Frauen) – usw. Jeder Raum war der Bestimmung entsprechend eingerichtet und mit verschiedenen Gemaelden von Tigern, Sakura, Pumas, Voegeln etc. symbolisch verziert.

Ninomaru

Wir hatten Glueck, dass eine kleine Gruppe von 4 Schulmaedchen samt nettem Lehrer vor uns die Burg betreten hatte und sind dieser zuerst heimlich gefolgt :D . Der Fuehrer erklaerte auf unterhaltsame Weise jeden Raum, jedes Bild, jedes kleinste Details, welches fuer das Verstaendnis des Aufbaus des Palastes wichtig gewesen ist. Als der Herr merkte, dass wir seinen Ausfuehrungen ebenfalls lauschten, wurden wir herzlich von ihm eingeladen, ihnen zu folgen und ggf. auch Fragen zu stellen. Was fuer ein Glueck, wirklich! Dai hatte natuerlich einiges zu uebersetzten *hihi* ! Dadruch, dass wir, und spez. ich als Auslaenderin, ein so grossen Interesse zeigten, waren die Schulmaedchen auch um einiges interessierter, was wiederum den Lehrer freute *haha*.

Besonders beeindruckend fand ich den Nachtigallen-Boden. Vieles hatte ich schon ueber ihn in Buechern gelesen, in Samurai- und Ninjafilmen gesehen, aber ueber ihn gelaufen war ich bis dato noch nicht. Der Nachtigallen-Boden ist eine spezielle Konstruktion aus Holzbalken, welche, wenn man drueber laeuft, „singen“ wie eine Nachtigall. Sie befinden sich Aussen, sowie Innen.

Nightingale Floor Ninomaru Kyoto

Dieses macht es Eindringlingen kaum bis gar nicht moeglich, ungehoert in den Palast zu gelangen. Das Geraeusch ist nicht mit dem zu verwechseln, welches alte Holzbalken von sich geben, wenn man drueber geht.

Ich bin lange von einem Balken zum naechsten gewandert, um den unterschiedlichsten Toenen zu lauschen und den Duft des alten Holzes zu geniessen. Manche Balken erzeugten auch keine Geraeusche und ich bin sicher, dass mindestens eine Person zu der damaligen Zeit wusste, wie man ungehoert ueber den Boden laufen konnte. Natuerlich fragten wir „unseren“ Lehrer und er sagte, dass es viele Sagen und Legenden ueber den „Nicht-klingenden-Weg“ gibt. Ob es stimmte, wollte er uns aber nicht verraten :mrgreen: .

Da anscheinend viele Menschen etwas gelangweilt von dem recht einfach erscheinenden Inneren gewesen waren und sie sich eher im Garten tummelten, hatten wir das Gefuehl, als waeren wir allein und in einer anderen Zeit.. wir waeren nicht ueberrascht gewesen, wenn uns ploetzlich ein Samurai entgegen gekommen waere.

Da es hier in Japan aber schon sehr frueh anfaengt zu daemmern, haben wir uns nach der Fuehrung unseres Lehrer, bei dem wir uns aufs herzlichste bedankten, doch noch auf in den Garten gemacht.

Nijo-jo Kyoto

Nijo-jo Kyoto

Nijo-jo Kyoto

Nijo-jo Kyoto

DSC_0910

Nijo-jo Kyoto

Diesen Ninja habe ich in die Flucht geschlagen :twisted: !

Ninja Nijo-jo Kyoto

Nijo-jo Kyoto

Nijo-jo Garden

Viel zu schnell verging die Zeit und wir mussten um 17 Uhr die Burg verlassen. Wir hatten zuerst ueberlegt, wieder einen Bus nach Gion zu nehmem, aber ich habe es tatsaechlich geschafft, meine Begleitung zu einem Fussmarsch zu ueberreden.

Vorbei ging es an Pontocho…

Pontocho Kawadoko Kyoto

…. wo wir am naechsten Abend essen gehen wollten, Richtung Gion, dem Viertel der Geishas. Was wir an diesem Abend weiter erlebten, gibts im naechsten Bericht :) !


Antworten

  1. [...] Uhi… wenn ich die Bilder des Videos so sehe, muss ich unweigerlich an die Erkundung der Burg Nijô denken… es scheint schon so lange her zu [...]


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