Yogalehrerausbildung quo vadis?| Tick-tack-tick-tack YLA2017

„Nothing would be done at all, if a man waited till he could do it so well, that no one could find fault with it.“ (John Henry Newman)

Knappe 6 Monate noch und dann geht es los. Die YLA2017 startet. Ende März letzten Jahres habe ich mich entschlossen, die Ausbildung zu beginnen. Total verrückt. Ich plane nie so lange etwas im Voraus. Nun kommen doch immer wieder Fragen auf, die mich beschäftigen.

Gedanken zum Blog

Ich hatte länger überlegt, ob überhaupt jemand meine Gedanken dazu lesen möchte. Im Moment bin ich was das Schreiben angeht, eher zurückhaltend unterwegs. Das liegt zum einen daran, dass mir die vielen verschiedenen, teils sehr professionell aufgezogenen Blogartikel, die mir täglich bei Facebook ins Auge springen, selber ein bisschen „über“ sind und zum anderen bewege ich mich gerade in einem Bereich, worüber ich schwer schreiben kann, da manche Entwicklung zu persönlich ist oder ich denke, das geht eh keinen etwas an.

Dann fing ich an in den älteren Artikeln zu lesen und dachte – hey, dieses hier ist dein Blog, dein Tagebuch, in welchem d u manche Stationen aus deinem Leben festhälst, in welchem jeder lesen kann, der möchte. Drum hatte ich mich daraufhin entschieden, wieder ein paar Worte zu tippen. Frei aus dem Herzen raus, unstruktriert wie so oft ☺ .

YogalehrerInnen-Ausbildung

Dieses hier sind nur ein Teil der Gedanken, die durch meinen Kopf schwirren. Sie fangen jedoch bereits mit dem Wort „Ausbildung“ an. Passt das Wort Ausbildung im Zusammenhang mit Yoga? Ich gehe in einen Ausbildungs“betrieb“ und lasse mich zu einer Yogalehrerin „ausbilden“? Um dann später mit einem Zertifikat in der Hand, Geld zu verdienen? Es geht im Yoga nicht wirklich um die standardisierte Vermittlung von anwendbaren Fertigkeiten. Irgendwas beißt sich da in meinem Kopf. Yoga ist in diesem Sinne ja kein Ausbildungsberuf. Oder funktioniert es doch so?

Zu der Ausbildung könnte ich dann noch in den verschiedensten Schulen ein ca. 40-50  Stunden Teachertraining zu unterschiedlichen Themen starten, habe so weitere Zertifikate in der Tasche, die sich in meiner Vita gut machen, neue Fertigkeiten und Wissen, die ich dann an meine Schüler weitergeben oder sogar selber kleine Workshops anbieten kann? Der Markt boomt, das habe sogar ich mittlerweile bemerkt.

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David Swenson antwortete auf dem Workshop letztes Wochenende auf die Frage hin – wann ist man ein Yogalehrer? – Dann, wenn du Schüler hast bzw. jemand zu dir kommt und sagt, ich möchte das, was du machst, von dir lernen. Im Kleinen indirekt zugefügt, dass ich jedoch auch nur das weiteregeben kann, was ich mache, ich erfahren habe, ich gelehrt bekommen habe. Es ist ein Prozess.

Je weniger ich selber auf den verschiedenen Gebieten des Yoga praktiziere, je weniger ich erfahren habe, durchgemacht habe, gelehrt bekommen habe, desto weniger werde ich meinen Schülern auch weitergeben können. Es wird viel verloren gehen, wenn das vorherige nicht stimmig ist. Und was passiert, wenn auf diesem Hintergrund mit diesem Verständnis ein „eigener“ Yogastil entwickelt wird und weitergegeben wird?!

Nicht zuvernachlässigen ist natürlich das Lernen durch das Lehren selbst – von Schülern werden Fragen gestellt, man trifft auf die unterschiedlichsten Menschen mit ihren unterschiedlichsten (gesundheitlichen) Hintergründen, man wird mit Situationen konfrontiert. Dieses brigt auch viel Potenzial, sich auf seinem Weg weiter entwickeln zu können.

Yogalehrer sind keine Fitnesstrainer

März letzten Jahres habe ich mich zu meiner Ausbildung entschieden. Ich hatte mir zwar andere Ausbildungen im Netz angeschaut, teils gab es kurze Vorstellungsvideos auf Youtube dazu und war mir recht sicher, dass mir eine 200 Stunden Ausbildung nicht das wird vermittlen können, was ich suche und brauche. Ein Yogalehrer ist kein Fitnesstrainer. Obwohl ich verstehen kann, dass ein schnelles Erlangen eines Zertifikates und damit die Erlaubnis, als YogalehrerIn tätig zu werden, verlockend ist.

Da ist noch so viel mehr, was den Yoga ausmacht und dieser Punkt wird für mich immer deutlicher. Was genau, werdet ihr dann in meinem Ausbildungsblog lesen können. Dort wird es besser hinpassen.

Aber – reichen für mich die über 500 Stunden meiner kommenden Ausbildung für eine solide Basis? Natürlich versuche ich Yoga in jedem Moment zu leben. So weit halt, wie ich ihn derzeitig verstehe und umsetzen kann. Und dieses Verständnis entwickelt sich ständig weiter. Es nützt nichts, die wichtigsten yogischen Dinge „auswendig“ zu können und große Reden zu schwingen über diese und jene Themen. Yoga möchte gelebt werden. Das sind aber auch oft die Momente in denen ich denke, hui, da kommst du an eine Grenze oder hui, jetzt wird es schwierig. Dem gegenüber sind die Zeiten auf der Matte „leicht“.

Yoga im Alltag

Wirklich spannend und herausfordernd wird es im Alltag, in meinem Umgang mit den Menschen, anderen Lebewesen, Situationen. Noch spannender, wenn diese mir nicht „wohlgesonnen“ sind oder ich hier oder da in meinem Leben Erfahrungen gemacht habe, die mich zu Urteilen/ Bewertungen und daraus resultieredem Verhalten veranlassen, die meinem Gegenüber ggf. nicht gerechtfertigt sind oder mich dadurch im Handeln blockieren.

Yoga – ein Weg der Erfahrung. Das bedeutet viel eigene Praxis, viel Hingabe und das in den verschiedenen Gebieten des Yoga. Selbstreflektion spielt eine große Rolle.

Dazu brauche ich jemanden, der mir möglichst viel dessen, was Yoga in all seinen Facetten bedeutet, lehren und mich anleiten kann. Der weiß, dass das Leben nicht nur aus Schmetterlingen, Regenbögen und Einhörnern besteht und durchaus anstrengend sein kann – auch mit Yoga. Der mir auf dieser Basis den Raum gibt, meinen eigenen (Yoga)Weg zu finden. Gehen, praktizieren und erfahren muss ich ihn ebenfalls selber.

Entwicklung

Vor einem Jahr was das Wort „Philosophie“ im Yoga noch eher ein Fremdwort für mich. Etwas, das da war, aber nicht bewusst. Beim Pranayama und der Meditation war es ähnlich. Aber dann kam ganz unbewusst durch die Hintertür der Wunsch dort tiefer einzutauchen. Wenn ich mich frage warum, dann glaube ich vor allem auch dadurch, dass es mir von meinem Lehrer nicht auferzwungen wurde, sondern er für mich einfach gut verdaubare Häppchen bereit gehalten hat und hält. Ganz eigentlich könnte ich auch genauso weiter machen, denn es fühlt sich gut so an. Wofür das alles also?

Was, wenn ich mich zu einer Ausbildung entschieden hätte, bei der ich nach ein paar Wochen oder Monaten ein Zertifikat in den Händen hätte halten können? Oder in einer 4 Wochen Intensiv-Ausbildung eines ganz bestimmten Yoga-Stils? Ist da genügend Zeit und Raum zur eigenen Entwicklung?

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Nicht-Ziele

Ich hab keine Ahnung, was ich ab September erleben werde. Ich hab keine Ahnung, wie es mich zeitlich in Anspruch nehmen wird, ob ich die Zeit überhaupt werde finden können. Ich weiß auf jeden Fall, dass neben den über 500 Stunden der Ausbildung für die eigene Praxis im Alltag jede Menge dazu kommen werden plus dem, was generell gelernt werden auf aufbereitet werden sollte.

Ich merke in den letzten Monaten bereits, dass sich durch das Verschieben von Interessen automatisch ein Zurückziehen bei anderem einstellt. Allem voran ist es da tatsächlich meine Social-Media-Zeit, die sich drastisch ohne große Anstrengung eingekürzt hat, aber auch das Schreiben von Artikeln speziell in meinem Hundeblog. Zeit hat man nicht für dieses oder jenes, oft muss man sie sich nehmen. Noch schöner ist, wenn es sich einfach so entwickelt. Dann fühlt sich sich einmal mehr gut und richtig an.

Ich weiß, dass ich in meinem Werden ab September Raum zur Entfaltung bekommen werde. Das in Kombination mit einer kleinen Gruppe von SchülerInnen, die individuell betreut werden können, sind auf jeden Fall schon einmal gute Voraussetzungen für alles weitere 🙂 .

Stehe ich auf der Matte und mache dieses oder jenes, dann klappt das mal, mal nicht. Ich erwarte dort tatsächlich recht wenig oder besser, habe weniger ein Ziel vor Augen, wohin die Reise gehen könnte. Auch das war ein Lernprozess. Ich genieße das Tun und das Gefühl, welches es mir vermittelt und mich oft durch den Tag trägt.

Vermutlich muss ich es in Bezug auf die Ausbildung ähnlich angehen. Das Ziel Yogalehrerin beiseite schieben und die Zeit nutzen, um für mich selbst zu lernen, mich zu entwickeln, ohne dabei groß etwas zu erwarten. Entwicklung kann ich nicht erzwingen, Werden kann ich nicht erzwingen – sie haben ihr eigenes Tempo. Aber „machen“, das geht. Niemand zwingt mich, ich am wenigstens, nach über 500 Stunden Ausbildung Schüler zu unterrichten.

Ob aus der Ausbildung heraus irgendwann entstehen sollte (weil ich bereit dazu bin und mit einem guten Gefühl aus einem tiefen, inneren Wunsch heraus) Schüler anzuleiten, wird sich dann zeigen. Und wenn nicht wäre es auch nicht schlimm. Das Wissen und die Erfahrung gingen ja nicht verloren, denn ich lebe sie eh mit meiner Umwelt und mit mir, jeden Tag, jeden Moment, so weit es mir möglich ist.

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„Ayurvedische Öle im Yoga“ – Workshop Review und Real-Life-Praxistest

Das Workshop-Angebot in der Yogawelt ist „reichhaltig“. Eine sehr einfach gehaltene Suchanfrage bei Google ergab 9 Workshops am Wochenende des 18. und 19. Februars in Hamburg; und mit Sicherheit waren es deutlich mehr. Workshops zu den unterschiedlichsten Themen.

Mich hat das Thema „Ayurvedische Öle im Yoga – Die eigene Asanapraxis/ Heilung verbessern“ spontan sehr angesprochen. Der Workshop wurde geleitet von Roman Kupsa (Heilpraktiker und Ayurvedatherapeut) und Thomas Kluge . Veranstaltungsort waren die gemütlichen und schönen Räume bei Michaela Mettler im BodyBalance in Pinneberg. Endlich mal ein „Heimspiel“ 😀 ! YAY!

Aus Erfahrung weiß ich, dass in den chinesischen Kampfkünsten mit Erfolg „Jows“ (Kräuterauszüge üblicherweise auf Alkohol-Basis) für die verschiedensten Bereiche im oder nach dem Training eingesetzt werden. Zudem erzählte mir einer meiner Patienten vor Jahren, dass im Training des Kalaripayattu (einer indischen Kampfkunst) Öle eingesetzt werden, um den Körper zu unterstützen.

Dieses wissend war ich jedoch nicht auf die Idee gekommen, Öle unterstützend in der Asanapraxis anzuwenden. Yoga ist für mich kein Sport und vermutlich war deshalb der Gedanke bzw. die Querverbindung so weit weg. Trotzdem sprang mich das Thema vermutlich deshalb aber auch sofort an 🙂 .

Der Workshop – Einführung:

Ich war ein wenig unvorbreitet in den Workshop gegangen. Ayurveda ist ein ganzheitliches System und über Bücher hatte ich keinen wirklich Zugang dazu gefunden. Es war für mich nicht greifbar und zu „theoretisch“.

Der Samstag wurde zweigeteilt. Der erste Teil hatte den Fokus auf die Anwendung von Ölen in der Asanapraxis, der zweite war ausgerichtet auf den Einsatz der Öle zur Unterstützung bei Heilung.

Roman und Thomas starteten mit einer sympathischen, ungezwungenen und lebendigen Einführung in die Thematik, was für mich den Einstieg sehr erleichterte, da das Thema endlich mehr Substanz bekam. Ayurveda – „das Wissen vom Leben“ – ist unglaublich komplex. Ich werde dazu hier nicht mehr schreiben, da Roman auf seiner Website (Link siehe oben)  einen kurzen und schönen Überblick gibt. Mich hat diese Art der Ganzheitlichkeit sehr angesprochen. Es ist ein Geschenk wenn Menschen das, was sie leben, auch so einfach und verständlich vermitteln können 🙂 !

Teil 1: Öle in der Asanapraxis

Wir waren eine sehr kleine, angenehme und aufgeschlossene Gruppe. So konnten wir unsere „Problemgebiete“ individuell er- und bearbeiten. Fast wenig überraschend war, dass unsere Probleme teils ähnlich gelagert waren – unterer Rücken, Becken, Oberschenkelrück- und vorderseite – mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Diese unterschiedlichen Schwerpunkte waren wichtig, denn ähnlich aussehende Probleme müssen nicht auf dieselben Problemstellen im Körper hindeuten. Was bedeutet, dass auch an anderen Punkten bei der Behandlung angesetzt werden muss.

Ich war sehr gespannt, ob sich der Einsatz der Öle in irgendeiner Form positiv auf die Bewegung in den Asanas auswirken würde.

Nachdem wir die problematischen Bereiche durchgesprochen hatten, ging es „auf die Matte“. Roman hatte eine Auswahl verschiedener Öle mitgebracht. Alle mit für mich unbekannten Namen und Gerüchen 😀  – da ging keines Richtung Arnika-Sportöl oder Latschenkiefer *g* .  Einzig das Murivenna Keram konnte ich mir namentlich einigermaßen merken 🙂 . Geruchlich waren sie teils eher in der Küche anzusiedeln *lach* . War ich dankbar, dass Roman eine Liste wichtiger Öle samt Zusammensetzung und Wirkung fertig gemacht hatte!

Der grobe Ablauf war folgender. Für die jeweiligen Bereiche wurden Übungen (meist Asanas mit Schwerpunkt Dehnung) ausgesucht, welche wir zuerst ohne Öl probierten. Dann machten wir die Muskulatur mit Bewegung warm, ölten danach die entsprechenden Bereiche mit einem ausgewähltem Öl ein (teils wurden sie erwärmt) und gingen danach wieder in die Übungen.

Zusätzlich demonstrierte und erklärte Roman an zwei Teilnehmern eine vorbereitende Massage unterstützend mit Anwendung einer Heißen Rolle speziell für Probleme im unteren Rücken.

Wirkung der Öle:

Der eine oder andere mag vielleicht denken, naja, kein Wunder, dass eine Dehnung tiefer wird, wenn vorher Bewegung in die Muskulatur gekommen ist. Richtig, ist auch so. Letztendlich ist meine Asanapraxis genau darauf ausgerichtet. Drum ist für mich der Unterschied auch so deutlich spürbar gewesen.

Das Gewebe wurde nicht nur innerlich warm, sondern auch von Außen. Es war eine angenehme, weiche Wärme, die mich nicht irritierte. Anders als bei manchen Sportmassageölen, die es so zu kaufen gibt.

Genauso fühlte es sich für mich auch in der Dehnung selber an – sehr leicht, weich, elastisch und entspannt. Egal bei welcher Asana – gefühlt war der Unterschied für mich unglaublich und von den anderen Teilnehmern war selbiges zu hören und zu sehen!

Bei Paschimottanasana, der sitzenden Vorbeuge, lag das erste Mal überhaupt in meinem Leben, der Bauch und Oberkörper auf den Beinen ab, ich konnte mein Handgelenk um die Füße herum greifen (wenn auch etwas glitschig wegen des Öls) und tief im Ujjayi atmen. Das war ein total tolles Gefühl!

Sehr ähnlich erging es mir bei Upavishtha Konasana – der sitzenden, gerätschten Vorbeuge. Hier wurde ich, wie auch bei anderen Asana, zwar adjustet, aber ich lag mit dem Oberkörper auf dem Boden. Das ging vor ein paar Wochen noch überhaupt nicht. Auch wenn ich die letzten Wochen relativ lange in dieser Asana verweilt habe, schien mir der Boden noch so unglaublich weit weg.

Roman hatte kurz die Befürchtung, dass evtl. zu schnell tief gedehnt wird und wir den Bogen überspannen. Der Gedanke kam mir ebenfalls. Es passiert mir tatsächlich ab und an, wenn ich sehr warm bin und dabei unachtsam in die Dehnung gehe. Dann geht manchmal 2 Tage danach nix mehr. Es fühlte sich zum Zeitpunkt der Dehnung jedoch bereits anders an als wäre ich „nur“ warm. Der Morgen danach war somit spannend. Aber ich bin mit einem tollen Gefühl aufgewacht! Keine Überdehnung oder Verletzung!

Teil 2: Öle zur Unterstützung der Heilung/ Linderung von Verletzungen und Erkrankungen

Meine Mutter kam zum zweiten Teil mit dazu. Da sie eine lange Schmerzgeschichte mit sich herum trägt und die verschiedensten Fachärzte keine Diagnose dazu haben, dachte ich, das könnte was für sie sein 🙂 .

Ich hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass Roman auf seine angenehme und bodenständige Art ihren Fall kurz „abgeklopft“ und wir ihn in der Gruppe besprechen. Roman war es natürlich nicht möglich in der Kürze der Zeit eine umfassende Untersuchung zu starten. Das war auch gar nicht geplant! So bekam ich jedoch noch mehr ein Gefühl dafür, wie im Ayurveda gedacht wird, welche Terminologie genutzt wird – uuunglaublich interessant! Danke, dass ihr da alle so toll mitgemacht habt

Meine Mutter hat von Roman und Thomas, wie ich finde, gut durchdachte und passende Ansätze und Übungen an die Hand bekommen, die sie sogar bereits fleißig umsetzt 🙂 . Ob und wie sie wirken, wird sich dann im Laufe der Zeit zeigen.

Da ich selber mit Gelenken oder anderen Schmerzen glücklicherweise keine Probleme habe, konnte ich nicht testen, in wie weit sie einen Einfluß auf mich und meine Bewegungen haben. Aber im Falle eines Falles weiß ich nun, welches Öl ich nutzen könnte 🙂 !

Der Real-Life-Praxistest:

Bevor ich diesen Artikel veröffentlichen wollte hatte ich vor, ein Öl, das Balaguducyadi, bei meiner täglichen Asanapraxis zu testen. Da ich jeden Tag fast dasselbe mache, würde mir hier ein Unterschied schneller auffallen.

kamRoman hatte uns allen netterweise ein kleines Fläschen abgefüllt 🙂 ! Jippiii!

Da ich so „beflügelt“ war, dass die Vorbeugen so gut geklappt hatten, war es umso spannender, dass ich die beiden Tage danach nicht mehr so tief in die Dehnung kam. Auch nicht im warmen Zustand. Es war besser als vor dem Samstag, aber nicht dieser Quantensprung. Okay, ich hatte auch niemanden, der kurz Hand anlegen konnte, aber am Samstag ging es dann auch ohne.

Heute habe ich mich vor dem Gang auf die Matte an den für meinen Körper wichtigen Partien eingeölt. An alles kommt man auch nicht unbedingt so alleine ran 😀 . Das Öl habe ich in den Handflächen kurz erwärmt und dann Popo, Oberschenkelvor- und Rückseite sowie Kniekehle, Leiste und Flanken massiert. Als das Öl einigermaßen eingezogen war, Hose an und los ging der „normale“ Turn. Ungelogen, es war von Anfang an ein komplett anderes, elastisches und weiches Gefühl. Die Vorbeugen klappten wieder *staun* !

Fazit des Tests:

Das war toll heute! Aber – auch ölig. Ab und an musste ich daher aufpassen, da der gewohnte Grip fehlte.

Das Öl riecht schon recht deutlich und ich würde es, ebenso wie Parfüm oder ähnliches, aus Rücksicht auf andere Teilnehmer nie in einer Yogastunde in einer Schule nutzen. Für meine tägliche Asanapraxis ist dieser Punkt nicht wirklich relevant. Wobei mit Länge der Übungen es für einen tiefen Ujjayi anstrengender wurde. Wir hatten während des Workshops kurz das Thema Pranayama und Öl angesprochen und ob es geruchlich und auch wegen der geruchlichen Wirkung auf den Körper zusammen gut gehen könnte. Für mich denke ich fast, dass für mich das Öl dabei eher störend werden könnte.

Noch mal anmerken möchte ich, dass es letztendlich egal ist, wie weit ich wohin in der Bewegung komme. Es macht für die Qualität des Yoga erst mal keinen Unterschied. Aber dieses Gefühl der Geschmeidigkeit ist schon sehr angenehm!

Wie geht es weiter?

Die Öle können nicht zaubern und ersetzten keine Achtsamkeit in der Yogapraxis. Wer mit sportlichem Ehrgeiz in die Asanapraxis geht und den Bogen überspannt, wird auch von einem Öl nicht „aufgefangen“ werden.

Ich werde es definitv ab und an gezielt nutzen, um bestimmte Bereiche in meinem Körper zu bearbeiten. Dazu werde ich weitere Öle besorgen, welche wir während des Workshops ebenfalls besprochen und ausprobiert haben.

Während meines Durchgangs heute auf der Matte war ich (zu) sehr fokussiert auf das, was das Öl macht. In diesem Falle wollte ich es auch, um euch kurz davon zu berichten. Aber ich muss für mich, denke ich, aufpassen, dass, wenn ich Öle in meiner Asanapraxis einsetze, sie nicht in den „sportlichen“ Bereich abdriftet. Wobei mich mir gut vorstellen kann, dass mit den Wiederholungen der Fokus auf dem verwendeten Öl verblasst und es zur Routine gehört.

Das Thema Ayurveda, welches wir letztendlich nur minimalst angekratzt habe, hat bei mir endlich „Klick“ gemacht und ich habe einen Zugang dazu gefunden 😀 !

Danke!

Danke an Roman und Thomas für diese tolle, lehrreiche, individuelle und intensive Erfahrung; ihr beiden seid ein sich super ergänzendes Team! Und danke vor allen auch an euch Teilnehmern! Ohne eure Offenheit wäre es nur halb so wertvoll geworden!

„1 zu1“-Unterricht | Vini-Yoga-Erfahrungsbericht

In einer Zeit, in welcher der Yoga-Markt fast überschüttet wird mit neuen Büchern, Online-Übungs-und Trainings-Plattformen, Online-Kursen und DVD’s, möchte ich nun doch berichten, was ich derzeit so erlebe. „Nun doch“, da tatsächlich für mich einige Erfahrungen zu persönlich sind, als dass ich sie in die Welt hinaus schreiben würde (vieles geht euch halt doch nix an 🙂 ), ich jedoch denke, dass der/ die eine oder andere evtl. ähnliche Fragen und Gedanken hat, wie ich sie hatte.

Vorab, versteht mich nicht falsch. Ich selber habe den Einstieg in den Yoga genau aus oben genanntem wieder gefunden. Das Angebot passt auch wunderbar in unsere doch recht schnelllebige und konsum-orientierte Gesellschaft. Zudem hat nicht jeder eine Yoga-Schule vor Ort. Ich fühle mich in der Yoga-Online-Welt immer noch wohl, liebe Yoga-Bücher, aber meine Prioritäten und Bedürfnisse verschieben sich mit den Erfahrungen, sowie sich auch meine Yoga-Praxis verändert.

Außerdem ist es jetzt sehr genau 1 Jahr her, dass ich meinen Yogalehrer fragte, ob er sich mit mir Einzelstunden vorstellen könnte. Zeit für ein Resümee, für das ich etwas ausholen muss 🙂 . Wer mag, ist zum Weiterlesen eingeladen!

Der Weg zum Einzelunterricht

Die Unterrichtssituation von einem/er SchülerIn zu einem/er LehrerIn (der Einfachheit werde ich hier nicht groß weiter „gendern“ 🙂 ) war mir zu Beginn vom Gefühl her sehr fremd. In einer 1 zu 1 Situation gibt es keine Möglichkeit, in der Masse einer Gruppe unterzutauchen, es kann direkt auf eigene Baustellen aufmerksam gemacht und eingegangen werden und es bedeutet direkten Kontakt zu deinem Gegenüber in der gesamten Zeit. Das krasse Gegenteil zu meinen Online-Geschichten und auch zu meinem Yoga-Kurs.

Ich selber arbeite seit nun fast 20 Jahren im direkten Kontakt mit Menschen. Ich unterstütze sie, höre zu, trainiere und behandle sie – es ist für mich auch nach all den Jahren immer noch eine wundervolle und bereichernde Arbeit. Die Patienten vertrauen mir, lassen sich auf mich ein. Manchmal braucht dieser Prozess Zeit. Alles okay!

Individualität in meiner Behandlung ist wichtig! Ich muss mich meinen Patienten anpassen und dass, was ich ihnen vermitteln möchte, so gestalten, dass sie es auch kleinschrittig umsetzten können. So entsteht Nachhaltigkeit.

In diese Richtung gedacht ist es für mich völlig „normal“, bin mir aber immer bewusst, was diese Situation für den einen oder anderen Menschen bedeuten kann. Denn es ist nicht für jeden leicht, sich darauf einzulassen – mit den unterschiedlichsten Reaktionen aus dieser ggf. für manche Menschen unangenehmen und etwas stressigen Situation „Zahnarztpraxis“ heraus. Jeder hat seine Geschichte.

Und ich? Ich bin eher der Typ – mach ich selbst! Was ich nicht kann, lasse ich bleiben oder wenn es wichtig ist, wurschelt ich mich dadurch bis es klappt. Ich vertraue auf meine eigenen Fähig-und Fertigkeiten. Jemanden um Hilfe bitten oder Hilfe annehmen? Eigentlich keine Option für mich. Teamwork jedoch ist vollkommen okay. Ist auch eine andere Situtation.

Mit dem „Therapeutischem Yoga Kurs“ fing es an. Es passierten dann zwei Dinge. Zum einen merkte ich, dass auch wenn das Online-Angebot sehr nett und detailliert aufgearbeitet ist, ich an bestimmte Dinge nicht ran kam und ich zudem Sorge hatte, bestimmte Übungen doch falsch anzugehen. Und wo ist da vor allem die Individualität, die ich für meine Patienten so sehr schätze? Selbst in Yoga-Kursen, in denen teils viele Teilnehmer ein gemeinsames Thema in der Stunde durchgehen, ist es für einen Lehrer kaum möglich, wirklich individuell und an den jeweiligen Schüler angepasst anzusetzen.

Zum anderen bohrte sich der Gedanke immer weiter in meinen Kopf, dass ich, wo ich so viel für meine Patienten tue, in dem Bereich auch mal was für mich tun könnte. Nicht nur Geben, auch mal Empfangen dürfen. Qualitätszeit für mich.

Die Suche

Ich suchte also mal wieder im Netz nach einer Möglichkeit, Ashtanga-Mysore-Klassen zu besuchen, da a) Ashtanga mein Ding ist, b) in einer Gruppe individuell geübt und angeleitet wird. Das wäre es gewesen! Gleichzeitig hatte ich einige Einzelunterrichts-Optionen gescant.

Letztendlich scheiterte das Unternehmen wieder an meiner Zeit, denn ich hatte (und habe) seinerzeit kaum Zeit gehabt, für eine Yoga-Stunde ca. 1 1/2 Stunden Fahrzeit (wenn es gut läuft) nach Hamburg rein und wieder raus. Durch den Schichtdienst und die alltäglichen Dinge, hätte ich mich zerreißen müssen. Zudem hätte ich schauen müssen, dass die Chemie stimmig ist, denn im Yoga muss man Menschen teils nah an sich heran lassen können. Alles dieses hatte ich schon mal durch gekaut, aber manchmal müssen Wiederholungen her 😀 .

Tja, ich hatte den Wald wieder vor lauter Bäumen nicht gesehen, denn eigentlich hatte ich meinen Lehrer ja vor der Nase sitzen. Also schickte ich ihm eine Mail mit meinem Anliegen raus, denn ich wollte meine Ashtanga-Praxis vertiefen und fragte, ob er überhaupt Einzelunterricht geben würde und wenn nicht, ob er jemanden empfehlenswerten kenne. Hatte ich gezögert den Sende-Knopf zu drücken? Ja, natürlich! Ich hatte Sorge, dass er ja sagen könne und Sorge, dass er nein sagen könne 😀 .

Unterricht zuhause?!

Wir haben eine für mich optimale Zeit in meiner Spätschicht gefunden gehabt und das Ganze bei mir zuhause. Probestunde. Der erste Gedanke war zwar, ob das wohl gut geht und ich mich darauf einlassen kann? Denn in den eigenen 4 Wänden ist es vielleicht noch „enger“ als in einer Yoga-Schule, in der die Aufmerksamkeitsteilung für die evtl. nötige Ablenkung und Distanz sorgen könnte.

Letztendlich dachte ich, wäre das optimal, denn ich hätte keinen zeitlichen Verlust durch Fahrzeit, mein Hund wäre nicht wieder für irgendwas alleine zuhause und vielleicht bekommt das Ganze doch eine andere Qualtiät, wenn ich dort weiter praktiziere, wo ich immer praktiziere. Weniger Ablenkung, mehr Fokus.

Entwicklung von der ersten Probestunde bis heute

Allen Bedenken und Sorgen zum Trotz, war schon nach der Probestunde klar, dass das wunderbar funktioniert  🙂 .

Dadurch, dass ich letztes Jahr zum einen mein Handgelenk eine zeitlang kaputt hatte und ich mit Renovierungsarbeiten und Umzug zu tun hatte, trafen wir uns die erste Zeit nicht so häufig, aber nun seit einigen Monaten, wenn es gut geht, alle 2 Wochen.

Wünsche

Auch wenn ich mich für mein Alter ziemlich fit fühle (jetzt wieder, denn vor genau 2 Jahren sah das komplett anders aus), geht auch die Zeit an mir nicht spurlos vorbei. Erfahrungen, Erlebnisse, die tägliche Belastung durch die Arbeit am Behandlungsstuhl – mein Körper hat viel „gespeichert“.

Mein Wunsch war es, die erste Serie im Ashtanga „aufzuräumen“. Ja, machen wir auch, aber die Stunden entwickeln sich mittlerweile sehr organisch-lebendig-individuell-angepasst.

Meinen Wunsch hatte mein Lehrer mir nicht abgesprochen, obwohl er da vermutlich schon gedacht hatte, Nic, deine „Baustellen“ könnten wir auch erst mal gezielter angehen 😀 .

Ich bin so froh, dass er es nicht ausgesprochen hatte und mir die Freiheit und Zeit gelassen hatte, es selbst zu erkennen. Dabei kann er so wundervoll direkt werden LOL! Selbsterkenntnis ist so wertvoll. Kein Zwang, kein „du solltest“ – ein „ich möchte“.

Vom Groben ins Feine

Durch meine fast tägliche Yoga-Praxis für mich zuhause, durch das immer feiner werden in der eigenen Wahrnehmung und durch das gute Auge meines Yogalehrers, entstehen Wünsche und Ideen für die nächste Stunde.

Individuelle Atemübungen, für meinen Körper angepasste Ansätze für die Asanas und andere Bewegungsmuster – dazu ein Mensch mir gegenüber, der zuhört und mich versteht.

Eine Stunde volle Aufmerksamkeit. Teils sehr intensiv und eigentlich nicht mein Ding. Denn ich verschwinde lieber irgendwo in der Masse und stehe auch nicht so auf Körperkontakt, der in den Hilfestellungen im Yoga manchmal nun aber unausweichlich ist.

Es wird so viel geschrieben über im Körper gespeicherte Emotionen und Erfahrungen und dass durch den Yoga einiges losgetreten werden kann. Ja, das passiert! Auf jeden Fall bei mir.

Und für mich passiert da gerade viel mehr als noch vor einiger Zeit ein „Cool, bin ich mutig, dass ich auf meinen Händen balancieren kann und keine Angst habe, mehr auf die Nase zu fallen. Schaut mal alle her! Was das jetzt für mein weiteres Leben bedeutet!! Oder, hey, ich kann jetzt schon dieses oder jenes!“ – mal ganz platt meine Gedanken kurzgefasst.

Es ist eine Entwicklung vom Groben ins Feine. Ich denke, das geht auch nicht anders, drum ist alles okay so, wie es ist. Es ist eine Entwicklung, die nicht erzwungen werden kann und vor allem, ich habe sie nicht so erwartet. Ehrlich nicht.

Ohne Lehrer geht das nicht!

Ich hatte mal in einem Artikel geschrieben, dass ich eher sehr bodenständig bin und immer die Füße auf der Erde haben muss. Ich glaube, es war der Handstand-Club-Artikel. Egal.

Die Worte Vertrauen, Hingabe, Loslassen, Fallenlassen und Akzeptanz sind zwar schon fast „ausgelutscht“, aber sie treffen bei mir sehr ins Schwarze.

Ich wäre in meiner Yogapraxis heute nicht da, wo ich jetzt bin (und ich hab glücklicherweise keinen Plan, wo die Reise noch hin geht), wenn ich meinen Lehrer nicht an meiner Seite hätte.

Er macht vieles erst möglich – wie ein Türöffner. Durchschreiten muss ich selber vor allem dann auch weiter gehen und Erfahrungen sammeln. Und das Weitergehen ist für mich nur möglich da ich mittlerweile weiß, dass er mich im Falle eines Falles auffängt, nein anders, dass ich mich im Notfall auffangen lassen kann und mag. Danke ❤ ! Was nicht heißt, dass ich mir nicht hier und da die „Nase stoße und Knie aufschürfe“ 🙂 .

Alleine auf der Matte

Wenn ich täglich auf der Matte stehe, muss ich keinem beweisen wie toll dieses oder jenes schon klappt oder wie stylisch es jetzt schon aussieht. Es schaut mir keiner zu und ich lerne, dass ich es auch mir nicht beweisen muss, meinem Lehrer schon gar nicht. Es applaudiert mir niemand oder hinterlässt „ein Like“. Das nimmt so angenehm den Druck aus der ganzen Geschichte 🙂 . Ab und an nehme ich Dinge auf Video auf, um meine Körperausrichtung zu kontrollieren, mehr nicht.

Mein Körper verändert sich – die Yoga-Praxis hinterlässt Spuren im positiven Sinne. Ich fühle mich gut und anders.

Meine Yoga-Praxis auf der Matte ist nicht „hübsch“, teils recht „unbequem“, aber sie entwickelt eine Kraft, die von Innen heraus kommt. Sehr oft ist mein Körper auch schon weiter als mein Kopf und unterstützt mich. Hört sich strange an? Ist es auch irgendwie, wenn man da selber drin steckt und es erfährt.

Das Wort „Selbst-bewusst-sein“ bekommt für mich eine ganz andere Bedeutung.

Das liebe Geld und ein Fazit

1 zu 1 Unterricht ist in der heutigen Zeit vielleicht nicht so in Mode wie Online-Angebote oder Workshops zu bestimmten Themen. Für mich ist hat es sich jedoch wider erwarten zu einer sehr wertvollen und bereichernden Zeit entwickelt, die ich nicht mehr missen möchte.

Ob Lehrer oder Lehrerin, das entscheidet vor allem das Gefühl und die Chemie. Oberstes Gebot, zwischenmenschlich muss sich das gut anfühlen, richtig gut. Sonst wird das nicht klappen. Ich hatte seinerzeit nach einer Lehrerin gesucht, da ich dachte, das wäre besser für mich. Es kam dann halt ganz anders.

Ja, für den Einzelunterricht muss Geld investiert werden – mehr als für eine Gruppenstunde. Meine Patienten müssen ebenfalls für meine Behandlung bezahlen, auch wenn es häufig über die Jahre teils schon fast freundschaftliche Beziehungen werden. Das steht dann nicht zwischen uns, sondern ist eben so. Es ändert aber nichts an unserer Beziehung noch fühlt sich „erkauft“ an.

Mir läuft das Geld echt nicht aus der Tasche, aber da heißt es für mich Prioritäten zu setzen. Das Geld ist dann jedoch noch besser angelegt, wenn man es schafft, auch zwischen den einzelnen Terminen auf die Matte zu steigen und nicht nur dem wohligen und erfrischendem Gefühl des Konsums zu erliegen. Ich weiß, wie verlockend das Gefühl sein kann 🙂 .

Zum Schluß noch eines zum Begriff Vini-Yoga. Es ist eigentlich kein wirklicher Yoga-Stil, sondern bezeichnet eher die Art und Weise, wie Yoga unterrichtet, angewandt und weiter gegeben werden sollte. Individuell, angepasst und die Zeit berücksichtigend, die der jeweilige Mensch benötigt. Habt das vielleicht im Kopf, wenn ihr euch nach Yoga-Angeboten umschaut ❤ !

 

 

 

 

 

Was wäre Yoga für mich, wenn ich nichts sehen könnte.

Ich stelle mir vor, ich habe noch nie etwas sehen können (weil ich vielleicht blind bin).

Ich habe noch nie mein Spiegelbild gesehen, kein Yogamagazin, kein Yogavideo.

Ich habe noch nie jemanden gesehen, der selber Yoga praktiziert.

Was ist dann Yoga für mich?

Ich kann mich mit niemandem vergleichen.

Ich kann während des Praktizierens kein Bild von mir machen, kein Spiegelbild sehen.

Alles was ich habe ist das, was ich fühle.

Dieses gilt es zu pflegen.

Wie fühle ich mich, wenn ich praktiziere?

Wie fühle ich mich, wenn ich praktiziert habe?

Die Idee dieser Vorstellung mit den dazugehörigen Fragen kommt nicht von mir. Sie entstammen dem Video unten. Das Video zeigt David Swenson auf einem Workshop. Er ist einer der ersten aus dem „Westen“, der 1977 begann, bei Shri K. Pattabhi Jois Asthanga Yoga zu lernen.

In einer Zeit, wo noch vieles anders war, als es heute ist.

Ich bin dankbar, dass heute vieles anders ist. Ich bin dankbar, dass Yoga heute „vermarktet“ wird, denn ansonsten wäre ich vielleicht nicht wieder drüber gestolpert. Ich bin dankbar über die Bücher, die geschrieben wurden. Ich bin dankbar, dass mir Videos auf verschiedenen Portalen online zur Verfügung gestellt wurden/werden, denn sonst hätte ich meinen Wiedereinstieg nicht gefunden. Ich bin dankbar, dass mein Yogalehrer „Werbung“ für seinen Kurs auf Facebook gemacht hatte, sonst hätte ich ihn nicht gefunden. Ich bin dankbar für meinen Lehrer, von dem ich nun direkt lernen darf.

Andere sind vielleicht dankbar für die schicken Yogaklamotten, weswegen sie mit Yoga starteten. Dankbar über die Farben und das Gefühl, das damit transportiert wird. Oder oder oder. Jeder wird seine Punkte haben.

Trotzdem muss ich achtsamsein, dass mir Obiges nicht verloren geht bzw. dass ich es pflege.

Sich vorzustellen, was wäre wenn… Das ist wichtig. In mir arbeitet es sehr nach und wird mich vermutlich noch lange beschäftigen. Und es wird meine Yogapraxis beeinflussen und verändern.

Wir wachen jeden morgen mit einem „neuen“ Gehirn“ auf!

Wir wachen jeden morgen mit einem „neuen“ Gehirn auf. Mit einem, dass sich aufgrund von Erlebtem und Erfahrenem am Tage während des Schlafes neu organisiert, sich umbaut und anpasst. Neue Dinge werden in das bereits bestehende Datennetzwerk eingepflegt – alles wird upgedatet, damit es bei der nächsten Benutzung „besser“, schneller und effektiver funktioniert.

In den Traumphasen sind es eher die Bewegungsabläufe, die gespeichert werden, in den Tiefschlafphasen eher neu gelernte Dinge. Das alles hier ist sehr vereinfacht ausgedrückt. Fakt ist, dass während wir schlafen, ist unser Gehirn mächtig am Arbeiten ist!

A-HA – und nun?

Der eine mag nun denken, schön, dass ich das jetzt weiß, aber tut das Not? Was bringt mir dieses Wissen? Ein anderer mag denken, das ist doch ein alter Hut?!

Ich gehöre eher zu den letzteren. Während meiner Ausbildung bei Dr. Ute Blaschke-Berthold habe ich einen fundierten Background im Bereich der Emotionen, Verhalten und Neurobiologie bekommen. Ich weiß recht genau, wie was funktioniert, was für Auswirkungen dieses oder jenes hat, wo Verhalten und Emotionen entstehen und wie Einfluß darauf genommen werden kann.

Zudem befasse ich mich seit Jahren mit dem Daoismuss, Buddhismus und seit längerem nun auch intensiver mit der Philosophie des Yoga.

Alter Hut – neue Erkenntnisse

Vor kurzem waren mir wieder einmal zwei sehr nette Bücher in die Hand gefallen. Beide haben die Schnittstelle von „altem Wissen“ und „neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen“ zum Thema.

  1. „Buddha und die Wissenschaft vom Glück“ von Yongey Mingyur Rinpoche. Es ist ein unglaublich warmherziges, humorvolles, spannendes und authentisches Buch über Buddhismus und Neurobiologie. Sehr angenehm zu lesen; und es führt einen sehr leicht in verschiedene Formen der Meditation ein. Sehr ungezwungen und kurzweilig.
  2. „Neuro Yoga“ von Anna Trökes und Dr. Bettina Knothe. Ein sehr ähnliches Thema, dieses mal aus yogischer Sicht (die Überschneidungen zum Buddhismus werden hier sehr deutlich), einen Tick wisschenschaftlicher und nicht ganz so „warmherzig und humorvoll“. Trotzdem ein sehr gut zu lesendes Buch, welches das Thema sehr schön aufarbeitet.

In beiden Büchern wird beleuchtet, wie das „Wissen der alten Weisen“ heutzutage wissenschaftlich belegt wird/ belegt werden kann. Meßinstrumente müssen halt manchmal auch erst entwickelt werden, um bestimmte Vorgänge im Gehirn für uns Menschen sichtbar zu machen 🙂 .

Ich hatte beim Lesen beider Bücher mehrere A-HA-Momente. Nicht, dass ich mir über die Thematik noch keine Gedanken gemacht hatte, aber manchmal sind es die andere Wortwahl, ein anderer Punkt, von dem man aus Dinge beschreibt und beobachtet, die vieles verständlicher und begreifbarer machen, so dass es im Kopf „click“ macht.

Ich bin halt so, wie ich bin! Oder?

Komme ich wieder zurück zu meinem Gehirn, welches ständig dabei ist, sich an neue Dinge anzupassen, effektiver zu werden, dann heißt das auch ganz klar, dass ich nicht immer so handeln muss, mich nicht immer so verhalten muss, weil ich halt so bin, wie ich bin! Ich bin keine Gefangene meiner Selbst!

Ich habe durchaus Eigenschaften an mir, die mir „nicht gefallen“, bei denen ich denke, boah, das war mal wieder typisch für dich, Nic. Das sind bspw. immer wiederkehrende Gedanken, die automatisch auftauchen, wenn dieses oder jenes geschieht – wie eine CD, die sofort weiß, welches „Stück“ in dieser oder jener Situation abgespielt werden muss.

Dazu die passenden Verhaltens- und Bewegungsmuster. Verhalten, die wie automatisch in diesen Momenten ablaufen mit den dazugehörigen Bewegungen. Alles schön eingeschliffen, damit sie auch weniger Energie und Anstrengung kosten. Dass die dabei aufkommende Gefühle sich auch jeweils ähneln, liegt auf der Hand. Mein Körper ist diesbezüglich oft sehr „effizient“.

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Es gibt durchaus viele Bereiche, wo ich genau das Liebe. Wo es rund läuft, sich gut anfühlt. Das Ganze ist ja erst mal nicht „Schlimmes“, sondern vor allem wichtig!

Aber es gibt sie halt, die Dinge, die mir mein Leben „schwerer“ machen, als es manchmal eh schon ist. Situationen und Momente, die ich zum Problem mache, weil ich so reagiere, wie ich reagiere. Dabei wären die Probleme vielleicht keine, sondern eher Herausforderungen, die ich durchaus leicht bewältigen könnte, wenn ich mir nicht selber im Weg stünde. Oder ich sehe „Probleme“, weil mein Gehirn meint, ah schau, so etwas hatten wir doch schon mal, das kann ja nix werden 😀 !

Dazu zählen im Übrigen auch das immer wieder durchgehen von Erinnerungen an Dingen, die nicht rund gelaufen sind, die mir Probleme gemacht haben. Ja, es ist für mich wichtig, mich damit auseinander zu setzen, aber irgendwann muss auch gut sein. Denn ein Durcharbeiten dieser Dinge trainiert mein Gehirn auch immer wieder, mich wieder genau so zu verhalten und mich schlecht zu fühlen.

„Die äußere Realität ist der Spiegel der inneren Wirklichkeit!“ Fragt mich jetzt nicht, woher das Zitat stammt, aber ich finde es so bezeichnend und Teilnehmer meiner Seminare kennen es 🙂 .

Fakt ist, fokussiere ich mich auf meine Probleme, auf unnette Menschen, Situationen, Weltgeschehen, dann wirkt mein Leben düsterer, erlebe ich es düsterer.

Fokussiere ich mich auf schöne Dinge, nette Menschen und Situationen, sieht mein Leben ganz anders aus. Und auch Erinnerungen an Vergangenes wirken anders auf mich, als wäre ich in düsterer Stimmung.

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Fazit:

Ich möchte mein Gehirn noch achtsamer und noch intensiver mit für mich netten Dingen „füttern“, damit es neue Datenautobahnen schaffen kann, die mich dann auch wieder leichter anders in „problematischen Situationen“ reagieren lassen können.

Das ganze ist teils „harte Arbeit“, denn, wie oben geschrieben, der Körper hat sich super auf das Leben eingestellt, damit er möglichst effektiv und mit wenig Energie dieses oder jenes bewältigen kann. Dröselt man diese Prozesse auf und möchte sie anderes gestalten, ja, dann kann das anstrengend sein. Bis der Moment kommt, wo das Gehirn die neuen Datenautobahnen sicher nutzen kann, die alten langsam wieder zuwachsen und weniger gut befahrbar werden.

Dazu werde ich meinem Körper weiterhin mit dem Yoga auch neue Bewegungsmuster zukommen lassen. Körper und Geist hängen zusammen und natürlich bewege ich mich oft ähnlich, wenn ich mich so oder so fühle, mich so oder so verhalte. Das hinterlässt auch im Körper deutliche Spuren. Dazu noch die teils einseitigen Bewegungen im Alltag, die vieles nicht besser machen.

Wenn ihr das nächste Mal schlafen geht, dann fragt euch kurz, womit ihr euer Gehirn und euren Körper am Tage „gefüttert“ habt und was es daraus in der Nacht machen könnte. Ich für mich kann sagen, dass es mich teils nicht wundert, dass ich so reagiere, wie ich manchmal reagiere und bei mir ist da tatsächlich häufig noch „Luft nach oben“ 😀 ! Aber, alles andere wäre auch langweilig 🙂 !

Und schaut, ob ihr euren Körper ebenfalls helfen könnt, aus eingeschliffenen Bewegungsmustern rauszukommen! Das Gehirn alleine kann das nicht schaffen! Es gibt diesbezüglich viele fähige Menschen, die euch dabei unterstützen können, wenn euch die Ideen fehlen!

Nachtrag:

Das es auf Facebook gerade erwähnt wurde. Das hier ist keine wissenschaftliche Abhandlung und natürlich sind die Dinge komplexer.Trotzdem hat jeder für sich die Möglichkeit in seinem Rahmen, Veränderungen vorzunehmen 🙂 . Versteht es als Prozess und nicht als ein einmaliges Ereignis ☺️ 🙏 . Zudem finden Veränderungen im Gehirn nicht nur während des Schlafens statt, sondern auch vor allen während des Erlebens.

Der Mensch ist, wie jedes Lebewesen, das Produkt seiner Gene, seiner Umwelt und seinen Erfahrungen. Das macht es oftmals dann auch recht kompliziert. An vielen Schrauben kann ich für mich nicht drehen, an manchen schon. Und dass ich mir nicht mal eben schwupps nen neues Gehirn basteln kann, mit dem alles besser laufen wird, dürfte auch klar sein 😄 . Aber vieles geht dann doch. Training trainiert – im Rahmen der individuellen Möglichkeiten. Studien belegen es mittlerweile.