Was ist „Yoga“ für mich?

Vor einigen Wochen kam das Thema „Vermarktung des Yoga“ an anderer Stelle auf Facebook auf. Zusammen mit der Frage, ob überall Yoga drin ist, wo Yoga drauf steht, wenn man sich die Entwicklung einiger Yoga-Stile anschaut und die diversen Dinge, die man sich mittlerweile kaufen kann, um ein „echter Yogi“ zu sein. Daraufhin kamen mir  Gedanken, die ich in einer Gruppe teilte. Danach dachte ich, ach, das wäre auch ein schöner Blog-Artikel geworden. Knappe 2 Monate später halte ich diese Gedanken hier tatsächlich als Artikel fest 😃 .

Dieses Foto oben ist für viele meiner! „yogischen“ Momente im Leben. Sehr viele dieser Momente habe ich draußen, in der Natur, zusammen mit meinem Hund. Hätte sich das Hundekind nicht nach einem Mäuseloch zurückorientiert, hätte ich mich nicht umgedreht. Das Bild (Foto), was sich „hinter meinem Rücken“ bot, traf mich fast wie ein Schlag. Momente der natürlichen Schönheit, der Verbundenheit, der Präsenz, des Innehaltens, der Achtsamkeit, Demut, Ruhe und Liebe.

Diese Momente kommen… ganz plötzlich – ein tiefes Gefühl der Verbundenheit. Mit was? Vor allem mit mir und dem um mich herum. Ein tiefes, aber ruhiges, friedvolles Glücksgefühl. Das Gefühl, eigentlich nicht mehr zu brauchen, als genau das, was ich im Leben habe. Atmen. Spüren. Sein.

Gestern im Wald. Mein Hund und ich beobachten das Damwild, wie es durch den Wald streift. Für mich Entspannung, für meinen Hund harte Arbeit, denn beim Anblick von Wild hat sie anderes im Kopf als zu schauen und zu beobachten. Sie ist ein Jäger, hat andere Bedürfnisse. Ein Waldspaziergang ist für sie manchmal eine arge Herausforderung.

Dann schaut sie mich an, mit großen Augen. Der Blick ging durch und durch, sehr tief. Diese Verbundenheit. Liebe und Dankbarkeit, die zwischen uns in den 3 Jahren entstanden ist, auch sie trifft mich so häufig. Das ist für mich auch ein yogischer Moment.

In der Praxis, während ich am Patienten arbeite, meine Instrumentenspitze an der Wurzeloberfläche zur Verlängerung meines Körper wird und ich „Eins“ werde, mit dem, was ich unter dem Zahnfleisch nicht sehe, die Ruhe, die da entsteht, die Konzentration. Das sind für mich yogische Momente.

Ich könnte da jetzt noch einige Aufzählen. Momente, in denen ich Raum und Zeit vergesse.

Auf der Matte habe ich diese Momente selten. Hier fehlen mir diese yogischen Momente häufig. Auf dem Workshop mit Young Ho Kim Inside Yoga gab es welche und auch bei unserer Yoga-Stunde am Freitag mit Yoga-Now, von der ich schrieb. Ganz manchmal stellen sich ähnliche Gefühl ein, wie obig geschrieben.

Heute früh habe ich mich gefragt, wo der Unterschied ist. Wenn ich draußen unterwegs bin, oder am Patienten oder Taijiquan übe, dann erwarte ich nichts. Diese Momente kommen. Wobei die am Patienten auslösbar sind. Vermutlich durch das jahrelange „Training“, ebenso wie beim Taijiquan. Aber ich warte nicht, dass irgendwas passiert, es ist dann da.

Rolle ich die Matte aus mit dem Gedanken „ich mache jetzt mal Yoga“, dann erwarte ich vielleicht schon daher zu viel, weil ich jetzt ja „Yoga“ mache. Und genau da passiert dann bei mir relativ wenig. Mal sehen, wie ich diesen Knoten für mich lösen kann.

Yoga als Weg, als „Instrument/Werkzeug?“, mein Leben und generell das Leben zu verstehen mich zu verbinden, verbinden zu lernen. Da passiert ein Teil auf der Matte vieles aber auch so im Alltag im Umgang mit meinen Mitlebewesen und der Natur.

Es ist eine Entwicklung, die sich durch viele Bereiche zieht. So wie ich mir vor Jahren nie hätte vorstellen können, auf tierische Produkte zu verzichten und plötzlich war es da, ohne dass es mir bewusst wurde, was da passiert. Zwanglos. Wobei sich das entwickelte, bevor ich meine Yogapraxis wieder aufnahm.

Zwanglos. Vielleicht spüre ich die Verbundenheit auf der Matte noch zu selten, da ich ja „Yoga“ mache, mir dafür Zeit freischaufel und doch ein Gefühl erzwingen möchte, wenn auch ganz subtil vielleicht. Aber Zwang und Verbundenheit schließen sich für mich aus.

Yoga bedeutet für mich aber auch Konzentration, Fokussieren und das Hinausbewegen aus meiner Komfortzone. Die Komfortzone kann ich auf der Matte verlassen. Das ist für mich wichtig, da ich so über meinen Körper lerne, flexibler und entspannter im Alltag zu reagieren und er wird generell stärker, kräftiger. Dieses hilft mir im Alltag ebenfalls. Aber oftmals schiebt mich mein Leben einfach raus. Zack. „Schwierige Patienten, Menschen, Schüler, Kunden, Hunde, Situationen“. Der Moment wo ich denke, oh je, muss das denn jetzt sein, bis eben war alles schön  😃 .

Aber es sind gute und wichtige „Übungsmöglichkeiten“ für mich, an denen ich wachsen kann. Wie gehe ich damit um? Was mache ich draus? Wo fehlt es mir an was, dass ich diese Momente oder Menschen oder Hunde so oder so erlebe und bewerte?

Was ist für euch „Yoga“?

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3 Kommentare zu „Was ist „Yoga“ für mich?

  1. ich mache noch kein Yoga, kann dazu also nichts sagen. Ich befasse mich aber damit und werde vielleicht mal reinschnuppern. Aber die Momente im Wald, mit Hund, die kenne ich. Schöne Momente.
    Danke für Deinen Artikel – war wieder ein Denkanstoß für mich!

    Liebe Grüße, Oliver 2.0

    1. Hey Oliver!

      Ich habe gerade kurz in deinen Blog reingeschnuppert (mehr Zeit habe ich später) und musste erst mal schlucken… Ich kann mir gut vorstellen, dass du viel aus dem Yoga mitnehmen könnest.
      Liebe Grüße, Nicole

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