„Thorax & Pelvis – Osteopathie im Yoga“ – Workshop-Review

Am letzten Wochenende fand der zweite Teil von „Osteopathie im Yoga“ statt. Das Thema „Thorax & Pelvis“ (Brustkorb & Becken) an sich liest sich eventuell auf den ersten Blick wenig spannend, eher nüchtern, medizinisch, wenig yogisch. Vielleicht mit ein Grund, weswegen die Resonanz auf die Ausschreibung des Workshops nicht allzu groß gewesen ist. Aber stylische Namen für bestimmte Themen kann mittlerweile ja fast jeder finden, drum darf man es auch mal einfach halten 🙂 . Ein Glück für uns TeilnehmerInnen, denn auch bedingt durch die kleine Gruppe war die Atmosphäre wieder einmalig.

Wer den Bericht zum ersten Teil nicht gelesen hat, dem möchte ich ans Herz legen, dieses vorab zu tun. Dadurch dass dieser Workshop für mich eine Fortsetzung gewesen ist, werde ich einiges nicht wiederholen.

Klick mich -> https://seisui.wordpress.com/2016/06/06/viszerale-osteopathie-im-yoga-workshop-review/

Thomas und Gunnar führten uns erneut auf ihre angenehme Art und Weise durch die beiden Tage. Wieder einmal empfand ich es als sehr wertvoll, wenn durchaus komplizierte Sachverhalte, Vorgänge und Entwicklungen, klar, einfach, verständlich und nachvollziehbar erklärt werden, zusammen mit einer guten Prise Humor 😀 . Das Ganze ging am Sonntag so weit, dass wir uns zusammensetzen konnten, um eine Fallbesprechung auf Basis unserer neuen Erkenntisse zu starten und einen Therapieplan zu entwicken – aber dazu später mehr.

Einführung – offene Diaphragmen und die Einheit!

Nach einer kleinen Begrüßungsrunde begann der Samstag wieder mit dem Öffnen der Diaphragmen – aus yogischer Sicht (s. Bericht zum ersten Workshop). Die Diaphragmen sollten sich gegeneinander bewegen (drehen) können bzw. beweglich sein. Dass das nicht immer so ist, durfte ich am Sonntag selbst erfahren, als Gunnar meine testete. Meine oberen Diaphragmen waren linkslastig, nur das Becken wollte nach rechts. Mit zwei Übungen, die Thomas für uns als Alternative zu denen vom letzten Workshop an die Hand gegeben hatte, konnte ich wieder auf Kurs gebracht werden. Für mich jedoch Grund genug, mich selbst demnächst osteopathisch checken zu lassen. Wenn ich mir meine Stunden am Behandlungsstuhl anschaue, wundert mich meine Linkslastigkeit eigentlich kaum. Zudem habe ich einige Operation auf der linken Körperseite gehabt. Ob das auch mit rein spielt, fällt mir beim Schreiben gerade ein…? Und das Ganze deckt sich ein auch mit meinen Erfahrungen auf der (Yoga)-Matte.

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Danach ging es weiter mit einer Einführung in die Osteopathie. Dieses Mal mit dem Fokus auf die Ontogenese, also der Individualentwicklung eines Organismus von der Befruchtung der Eizelle bis zur Geburt.

Falls sich jemand fragen sollte, was das mit dem weiteren Thema zu tun hat – alles *lach*. Für mich wieder einmal so viele A-HA-Momente. Es ist die Basis, warum im Körper eigentlich nichts „getrennt“ betrachtet werden kann. Warum bestimmte Organe und Körperteile miteinander in Verbindung stehen, obwohl es von Außen betrachtet kaum möglich zu sein scheint. Und es ist so wichtig, da gesundheitliche Probleme nicht unbedingt dort zu lösen sind, wo sie primär auftreten. Danke an Gunnar, der uns den Zauber und das Wunder des Lebens, der Evolution, auf diesem Gebiet so unglaublich gut und verständlich nahe gebracht hat.

14940216_1626226691004819_3342147207762981836_oLiebe Leutchens dort draußen – das Leben ist ein Wunder! Dass wir dieses (und da schließe ich mich gerne mit ein), doch häufiger mit Füßen treten als uns lieb und bewusst ist (bezüglich unserer eigenen Gesundheit, bezüglich unseren Mitmenschen und Mitlebewesen gegenüber) ist im Grunde  vollkommen absurd!

Der Brustkorb (Thorax)

Nach der Einführung gingen wir den Brustkorb durch mit dem dazugehörigen Drumherum. Schultergürtel, Thoraxeingang – ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was dort oben vom Kopf aus durch das relativ kleine „Loch“ alles in den Brustkorb führt-, die Arme mit den Händen, das Zwerchfell und die unteren Extremitäten.

Hier waren natürlich die Lungen- und Herzfunktion mit die wichtigsten Themen. Auch wenn ich mich bereits mehrmach mit der Atmung auseinander gesetzt habe, habe ich es nun (endlich) verstanden – denke ich 😀 . Was für ein komplexer Vorgang!

Wir sind verschiedene Erkrankungen durchgegangen, welche Lunge und Herz betreffen können und vor allem auch, wo sie entstehen könnten bzw. was alles auf diese Einfluß nehmen kann oder wo diese zusätzlich Probleme verursachen können. Zusammenhänge begreifen lernen stand ganz weit oben auf der Zu-lernen-Liste! Dazu zählen auch die Arme mit den Händen. Durch kurze Rücksprünge in die Ontogenese wurde vieles klar!

Da es eventuell viele betrifft und es vielen vielleicht nicht bewusst ist (Yogis wissen es meist)- ein wichtiger Hüftbeugemuskel, der Psoas, hat eine direkte Verbindung mit dem Zwerchfell, dem wichtigstem Atemmuskel. Menschen, die bspw. viel sitzen, haben oftmals Probleme den Hüftbeugern. Wenn es mit der Atmung nicht so klappt oder Beschwerden auftreten, sollte auch daran gedacht werden.

Nach all der Theorie, die ich hier wieder nur minimalistisch ankratze, ging es weiter in die Praxis, durch die uns Thomas führte. Wobei das nicht ganz richtig ist. Thomas ist mit uns die Übungen durchgegangen und lies uns Raum für eigene Ideen. Zudem erarbeiteten wir Alternativen für Menschen, die diese oder jene Übung aus gesundheitlichen Gründen oder weil ihr Körper (noch) nicht so beweglich ist, nicht in der Art und Weise ausführen können. Ich fand das klasse, denn selber überlegen, ausprobieren und neues Wissen einfließen lassen hilft mir in dem Stadium mehr, als einfach etwas vorgeführt zu bekommen.

Das Becken (Pelvis)

Nach dem Samstag ratterte mein Kopf und ich musste Sonntag ein paar Fragen loswerden. Hätte ich in der Schule Lehrer gehabt, die so angenehm mit ihren Schülern umgehen, dass man sich traut, Fragen zu stellen ohne Sorge zu haben, dass einem Unwissen vorgehalten wird und Negativeinträge gemacht werden, wäre mein Leben in der Schule ein ganz anderes gewesen.

Aus diesen Fragen entstanden in der Gruppe weitere und es wurde noch mehr beantwortet als das, was ich fragte. Super klasse 🙂 !

Danach starteten wir mit der Theorie zum Thema Becken und seinen Organen – allem voran die Blase und die Geschlechtsorgane von Frau und Mann. Aufbau, Funktion, Entwicklung und Erkrankungen. Und auch, welchen Einfluß die Position und Lagerung der oberen Bauchorgane (s. Bericht zum ersten Workshop) auf die des Beckens haben und auf die Position des Beckens selber.

Euch weiblichen Leserinnen möchte ich nach dem, was ich nun weiß, ans Herz legen, einen guten! Osteopathen aufzusuchen, wenn ihr arge Probleme während der Menstruation habt oder auch einen unerfüllten Kinderwunsch. Es kann „mechanischer“ Stress ursächlich sein.

Fallbeispiel

Nachdem wir auch zu diesem Themenbereich Übungen durchgegangen waren, ging es weiter mit dem bereits oben erwähnten Fallbeispiel. Da bei ca. 70% der Bevölkerung das Becken in einer ungünstigen Position steht (bsp. verdreht, nach vorn gekippt, schief), war es nicht schwer, eine Art Therapieplan am Beispiel unserer selbst zu entwickeln 🙂 .

Warum gerät das Becken so „leicht“ aus seiner Position und verursacht dann oftmals Probleme? Durch viel Sitzen, einseitige Bewegungen, durch einen Druck der Bauchorgane in das Becken, durch Unfälle – oder oder oder. Hier zeigte sich wieder deutlich, wie schön es wäre, wenn die verschiedenen Bereich wie beispielsweise Osteopathen und (Yoga)Lehrer, zusammen arbeiten würden, um Menschen zu helfen.

Diesen Teil fand ich wirklich nett – neues Wissen anwenden, Ideen entwickeln. Obwohl wir einen Teil der Übungen nur kurz durchgegangen waren, war ein Unterschied für den einen und anderen schon deutlich sichtbar und spürbar.

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Alles braucht seine Zeit – eigene Erfahrungen

So manche Fehlstellung begleiten einen Monate wenn nicht Jahre. Es wäre dem Therapeuten gegenüber nicht fair zu hoffen, dass mit einem Male, mit einer Behandlung, alles wieder gesund ist. Auch wenn man so gerne eine Tablette für dieses oder jenes hätte. Was ich in dem Zusammenhang wichtig finde ist der Teil der Eigenverantwortung. Das eine sind die Menschen, die einem direkt helfen können, etwas in Bewegung setzen können. Aber dann kommt der betroffene Mensch selber ins Spiel. Wurde eine Art Therapie- und Trainingsplan entwickelt funktioniert der nur, wenn er auch benutzt wird 🙂 !

Die Veränderungen brauchen Zeit. Das macht es mit der Motiovation natürlich etwas schwerer. Aber ca. 6 Monate wären schon eine gute Zeit 🙂 . Ich selber durfte und darf „Stehen“ lernen. Es muss mittlerweile schon ca. ein halbes Jahr her sein als Thomas mir sagte, dass ich ungünstig stehe. Gewundert hat mich das nicht. Füße, Becken – ich weiß, wo deren Probleme her kommen. Die letzten Monate habe ich meinen Fokus speziell auf meine Füße gelenkt. Für Außenstehende ist die Veränderung meiner Füße und auch mein Stand wohl schwer erkennbar, aber für mich ist sie extrem. Stehe ich beispielsweise an einer Ampel, stehe ich mittlerweile fast immer ganz zentriert und verwurzelt auf beiden Füßen, das Becken ist locker. Kein „mal auf dem einen Bein stehen, mal auf dem anderen“, kein schief stehen, keine Ausweichbewegung. Letztendlich haben sich in den Yoga-Übungen selber viele Veränderungen ergeben. Das eine bedingt das andere.

Wann diese Veränderung so gravierend eingetreten ist, weiß ich nicht. Irgendwann bemerkte ich es an einer Ampel. Das Stehen fühlte sich auf einmal super geerdet an, als würden sich die Füße (auch durch dickere Sohlen), in den Boden saugen. Erwartet hatte ich mit meinem Programm erst Mal gar nicht viel; ich habe es einfach „nur“ gemacht. Und mache weiter. Auf der Arbeit, im Alltag – es gibt so viele Fallstricke, wo man in alte Bewegungsmuster fällt bzw. dazu gezwungen wird.

Da hilft es nur den Popo hoch zu bekommen und das Ganze immer wieder selbst anzupacken – im besten Falle mit einer guten Unterstützung eines Lehrers und/ oder Therapeuten.

Fazit:

Der Workshop war wieder ganz ganz toll und ich habe für mich unglaublich viel mitgenommen. Vor allem die Nachhaltigkeit ist mir wichtig. Wenn ich etwas verstehe, kann ich was draus machen und ggf. anwenden. Die Gruppe war wieder suuuper angenehm und lustig. So macht lernen Spaß! Danke an alle Beteiligten für die tolle Zeit!

Meine Yogalehrerausbildung startet in einem Jahr. Es ist gut, dass ich die Zeit bis dahin noch habe, denn es passiert durch die Yoga-Praxis derzeit recht viel in der eigenen Entwicklung.

Die Themen der Workshops sind auch Teil der Yogalehrerausbildung Stufe 2, welche 2018 startet. Es kribbelt so in den Fingern, aber ich starte an der Basis mit Stufe 1 ❤ ! Das Fundament muss stimmen.

Und da es mir wieder so deutlich wurde – tretet euer Leben und das anderer nicht mit den Füßen. Das Leben ist ein Wunder, ein Geschenk! Macht was draus!

(Fotos by Thomas Kluge)

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