„Ayurvedische Öle im Yoga“ – Workshop Review und Real-Life-Praxistest

Das Workshop-Angebot in der Yogawelt ist „reichhaltig“. Eine sehr einfach gehaltene Suchanfrage bei Google ergab 9 Workshops am Wochenende des 18. und 19. Februars in Hamburg; und mit Sicherheit waren es deutlich mehr. Workshops zu den unterschiedlichsten Themen.

Mich hat das Thema „Ayurvedische Öle im Yoga – Die eigene Asanapraxis/ Heilung verbessern“ spontan sehr angesprochen. Der Workshop wurde geleitet von Roman Kupsa (Heilpraktiker und Ayurvedatherapeut) und Thomas Kluge . Veranstaltungsort waren die gemütlichen und schönen Räume bei Michaela Mettler im BodyBalance in Pinneberg. Endlich mal ein „Heimspiel“ 😀 ! YAY!

Aus Erfahrung weiß ich, dass in den chinesischen Kampfkünsten mit Erfolg „Jows“ (Kräuterauszüge üblicherweise auf Alkohol-Basis) für die verschiedensten Bereiche im oder nach dem Training eingesetzt werden. Zudem erzählte mir einer meiner Patienten vor Jahren, dass im Training des Kalaripayattu (einer indischen Kampfkunst) Öle eingesetzt werden, um den Körper zu unterstützen.

Dieses wissend war ich jedoch nicht auf die Idee gekommen, Öle unterstützend in der Asanapraxis anzuwenden. Yoga ist für mich kein Sport und vermutlich war deshalb der Gedanke bzw. die Querverbindung so weit weg. Trotzdem sprang mich das Thema vermutlich deshalb aber auch sofort an 🙂 .

Der Workshop – Einführung:

Ich war ein wenig unvorbreitet in den Workshop gegangen. Ayurveda ist ein ganzheitliches System und über Bücher hatte ich keinen wirklich Zugang dazu gefunden. Es war für mich nicht greifbar und zu „theoretisch“.

Der Samstag wurde zweigeteilt. Der erste Teil hatte den Fokus auf die Anwendung von Ölen in der Asanapraxis, der zweite war ausgerichtet auf den Einsatz der Öle zur Unterstützung bei Heilung.

Roman und Thomas starteten mit einer sympathischen, ungezwungenen und lebendigen Einführung in die Thematik, was für mich den Einstieg sehr erleichterte, da das Thema endlich mehr Substanz bekam. Ayurveda – „das Wissen vom Leben“ – ist unglaublich komplex. Ich werde dazu hier nicht mehr schreiben, da Roman auf seiner Website (Link siehe oben)  einen kurzen und schönen Überblick gibt. Mich hat diese Art der Ganzheitlichkeit sehr angesprochen. Es ist ein Geschenk wenn Menschen das, was sie leben, auch so einfach und verständlich vermitteln können 🙂 !

Teil 1: Öle in der Asanapraxis

Wir waren eine sehr kleine, angenehme und aufgeschlossene Gruppe. So konnten wir unsere „Problemgebiete“ individuell er- und bearbeiten. Fast wenig überraschend war, dass unsere Probleme teils ähnlich gelagert waren – unterer Rücken, Becken, Oberschenkelrück- und vorderseite – mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Diese unterschiedlichen Schwerpunkte waren wichtig, denn ähnlich aussehende Probleme müssen nicht auf dieselben Problemstellen im Körper hindeuten. Was bedeutet, dass auch an anderen Punkten bei der Behandlung angesetzt werden muss.

Ich war sehr gespannt, ob sich der Einsatz der Öle in irgendeiner Form positiv auf die Bewegung in den Asanas auswirken würde.

Nachdem wir die problematischen Bereiche durchgesprochen hatten, ging es „auf die Matte“. Roman hatte eine Auswahl verschiedener Öle mitgebracht. Alle mit für mich unbekannten Namen und Gerüchen 😀  – da ging keines Richtung Arnika-Sportöl oder Latschenkiefer *g* .  Einzig das Murivenna Keram konnte ich mir namentlich einigermaßen merken 🙂 . Geruchlich waren sie teils eher in der Küche anzusiedeln *lach* . War ich dankbar, dass Roman eine Liste wichtiger Öle samt Zusammensetzung und Wirkung fertig gemacht hatte!

Der grobe Ablauf war folgender. Für die jeweiligen Bereiche wurden Übungen (meist Asanas mit Schwerpunkt Dehnung) ausgesucht, welche wir zuerst ohne Öl probierten. Dann machten wir die Muskulatur mit Bewegung warm, ölten danach die entsprechenden Bereiche mit einem ausgewähltem Öl ein (teils wurden sie erwärmt) und gingen danach wieder in die Übungen.

Zusätzlich demonstrierte und erklärte Roman an zwei Teilnehmern eine vorbereitende Massage unterstützend mit Anwendung einer Heißen Rolle speziell für Probleme im unteren Rücken.

Wirkung der Öle:

Der eine oder andere mag vielleicht denken, naja, kein Wunder, dass eine Dehnung tiefer wird, wenn vorher Bewegung in die Muskulatur gekommen ist. Richtig, ist auch so. Letztendlich ist meine Asanapraxis genau darauf ausgerichtet. Drum ist für mich der Unterschied auch so deutlich spürbar gewesen.

Das Gewebe wurde nicht nur innerlich warm, sondern auch von Außen. Es war eine angenehme, weiche Wärme, die mich nicht irritierte. Anders als bei manchen Sportmassageölen, die es so zu kaufen gibt.

Genauso fühlte es sich für mich auch in der Dehnung selber an – sehr leicht, weich, elastisch und entspannt. Egal bei welcher Asana – gefühlt war der Unterschied für mich unglaublich und von den anderen Teilnehmern war selbiges zu hören und zu sehen!

Bei Paschimottanasana, der sitzenden Vorbeuge, lag das erste Mal überhaupt in meinem Leben, der Bauch und Oberkörper auf den Beinen ab, ich konnte mein Handgelenk um die Füße herum greifen (wenn auch etwas glitschig wegen des Öls) und tief im Ujjayi atmen. Das war ein total tolles Gefühl!

Sehr ähnlich erging es mir bei Upavishtha Konasana – der sitzenden, gerätschten Vorbeuge. Hier wurde ich, wie auch bei anderen Asana, zwar adjustet, aber ich lag mit dem Oberkörper auf dem Boden. Das ging vor ein paar Wochen noch überhaupt nicht. Auch wenn ich die letzten Wochen relativ lange in dieser Asana verweilt habe, schien mir der Boden noch so unglaublich weit weg.

Roman hatte kurz die Befürchtung, dass evtl. zu schnell tief gedehnt wird und wir den Bogen überspannen. Der Gedanke kam mir ebenfalls. Es passiert mir tatsächlich ab und an, wenn ich sehr warm bin und dabei unachtsam in die Dehnung gehe. Dann geht manchmal 2 Tage danach nix mehr. Es fühlte sich zum Zeitpunkt der Dehnung jedoch bereits anders an als wäre ich „nur“ warm. Der Morgen danach war somit spannend. Aber ich bin mit einem tollen Gefühl aufgewacht! Keine Überdehnung oder Verletzung!

Teil 2: Öle zur Unterstützung der Heilung/ Linderung von Verletzungen und Erkrankungen

Meine Mutter kam zum zweiten Teil mit dazu. Da sie eine lange Schmerzgeschichte mit sich herum trägt und die verschiedensten Fachärzte keine Diagnose dazu haben, dachte ich, das könnte was für sie sein 🙂 .

Ich hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass Roman auf seine angenehme und bodenständige Art ihren Fall kurz „abgeklopft“ und wir ihn in der Gruppe besprechen. Roman war es natürlich nicht möglich in der Kürze der Zeit eine umfassende Untersuchung zu starten. Das war auch gar nicht geplant! So bekam ich jedoch noch mehr ein Gefühl dafür, wie im Ayurveda gedacht wird, welche Terminologie genutzt wird – uuunglaublich interessant! Danke, dass ihr da alle so toll mitgemacht habt

Meine Mutter hat von Roman und Thomas, wie ich finde, gut durchdachte und passende Ansätze und Übungen an die Hand bekommen, die sie sogar bereits fleißig umsetzt 🙂 . Ob und wie sie wirken, wird sich dann im Laufe der Zeit zeigen.

Da ich selber mit Gelenken oder anderen Schmerzen glücklicherweise keine Probleme habe, konnte ich nicht testen, in wie weit sie einen Einfluß auf mich und meine Bewegungen haben. Aber im Falle eines Falles weiß ich nun, welches Öl ich nutzen könnte 🙂 !

Der Real-Life-Praxistest:

Bevor ich diesen Artikel veröffentlichen wollte hatte ich vor, ein Öl, das Balaguducyadi, bei meiner täglichen Asanapraxis zu testen. Da ich jeden Tag fast dasselbe mache, würde mir hier ein Unterschied schneller auffallen.

kamRoman hatte uns allen netterweise ein kleines Fläschen abgefüllt 🙂 ! Jippiii!

Da ich so „beflügelt“ war, dass die Vorbeugen so gut geklappt hatten, war es umso spannender, dass ich die beiden Tage danach nicht mehr so tief in die Dehnung kam. Auch nicht im warmen Zustand. Es war besser als vor dem Samstag, aber nicht dieser Quantensprung. Okay, ich hatte auch niemanden, der kurz Hand anlegen konnte, aber am Samstag ging es dann auch ohne.

Heute habe ich mich vor dem Gang auf die Matte an den für meinen Körper wichtigen Partien eingeölt. An alles kommt man auch nicht unbedingt so alleine ran 😀 . Das Öl habe ich in den Handflächen kurz erwärmt und dann Popo, Oberschenkelvor- und Rückseite sowie Kniekehle, Leiste und Flanken massiert. Als das Öl einigermaßen eingezogen war, Hose an und los ging der „normale“ Turn. Ungelogen, es war von Anfang an ein komplett anderes, elastisches und weiches Gefühl. Die Vorbeugen klappten wieder *staun* !

Fazit des Tests:

Das war toll heute! Aber – auch ölig. Ab und an musste ich daher aufpassen, da der gewohnte Grip fehlte.

Das Öl riecht schon recht deutlich und ich würde es, ebenso wie Parfüm oder ähnliches, aus Rücksicht auf andere Teilnehmer nie in einer Yogastunde in einer Schule nutzen. Für meine tägliche Asanapraxis ist dieser Punkt nicht wirklich relevant. Wobei mit Länge der Übungen es für einen tiefen Ujjayi anstrengender wurde. Wir hatten während des Workshops kurz das Thema Pranayama und Öl angesprochen und ob es geruchlich und auch wegen der geruchlichen Wirkung auf den Körper zusammen gut gehen könnte. Für mich denke ich fast, dass für mich das Öl dabei eher störend werden könnte.

Noch mal anmerken möchte ich, dass es letztendlich egal ist, wie weit ich wohin in der Bewegung komme. Es macht für die Qualität des Yoga erst mal keinen Unterschied. Aber dieses Gefühl der Geschmeidigkeit ist schon sehr angenehm!

Wie geht es weiter?

Die Öle können nicht zaubern und ersetzten keine Achtsamkeit in der Yogapraxis. Wer mit sportlichem Ehrgeiz in die Asanapraxis geht und den Bogen überspannt, wird auch von einem Öl nicht „aufgefangen“ werden.

Ich werde es definitv ab und an gezielt nutzen, um bestimmte Bereiche in meinem Körper zu bearbeiten. Dazu werde ich weitere Öle besorgen, welche wir während des Workshops ebenfalls besprochen und ausprobiert haben.

Während meines Durchgangs heute auf der Matte war ich (zu) sehr fokussiert auf das, was das Öl macht. In diesem Falle wollte ich es auch, um euch kurz davon zu berichten. Aber ich muss für mich, denke ich, aufpassen, dass, wenn ich Öle in meiner Asanapraxis einsetze, sie nicht in den „sportlichen“ Bereich abdriftet. Wobei mich mir gut vorstellen kann, dass mit den Wiederholungen der Fokus auf dem verwendeten Öl verblasst und es zur Routine gehört.

Das Thema Ayurveda, welches wir letztendlich nur minimalst angekratzt habe, hat bei mir endlich „Klick“ gemacht und ich habe einen Zugang dazu gefunden 😀 !

Danke!

Danke an Roman und Thomas für diese tolle, lehrreiche, individuelle und intensive Erfahrung; ihr beiden seid ein sich super ergänzendes Team! Und danke vor allen auch an euch Teilnehmern! Ohne eure Offenheit wäre es nur halb so wertvoll geworden!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s