Yogalehrerausbildung quo vadis?| Tick-tack-tick-tack YLA2017

„Nothing would be done at all, if a man waited till he could do it so well, that no one could find fault with it.“ (John Henry Newman)

Knappe 6 Monate noch und dann geht es los. Die YLA2017 startet. Ende März letzten Jahres habe ich mich entschlossen, die Ausbildung zu beginnen. Total verrückt. Ich plane nie so lange etwas im Voraus. Nun kommen doch immer wieder Fragen auf, die mich beschäftigen.

Gedanken zum Blog

Ich hatte länger überlegt, ob überhaupt jemand meine Gedanken dazu lesen möchte. Im Moment bin ich was das Schreiben angeht, eher zurückhaltend unterwegs. Das liegt zum einen daran, dass mir die vielen verschiedenen, teils sehr professionell aufgezogenen Blogartikel, die mir täglich bei Facebook ins Auge springen, selber ein bisschen „über“ sind und zum anderen bewege ich mich gerade in einem Bereich, worüber ich schwer schreiben kann, da manche Entwicklung zu persönlich ist oder ich denke, das geht eh keinen etwas an.

Dann fing ich an in den älteren Artikeln zu lesen und dachte – hey, dieses hier ist dein Blog, dein Tagebuch, in welchem d u manche Stationen aus deinem Leben festhälst, in welchem jeder lesen kann, der möchte. Drum hatte ich mich daraufhin entschieden, wieder ein paar Worte zu tippen. Frei aus dem Herzen raus, unstruktriert wie so oft ☺ .

YogalehrerInnen-Ausbildung

Dieses hier sind nur ein Teil der Gedanken, die durch meinen Kopf schwirren. Sie fangen jedoch bereits mit dem Wort „Ausbildung“ an. Passt das Wort Ausbildung im Zusammenhang mit Yoga? Ich gehe in einen Ausbildungs“betrieb“ und lasse mich zu einer Yogalehrerin „ausbilden“? Um dann später mit einem Zertifikat in der Hand, Geld zu verdienen? Es geht im Yoga nicht wirklich um die standardisierte Vermittlung von anwendbaren Fertigkeiten. Irgendwas beißt sich da in meinem Kopf. Yoga ist in diesem Sinne ja kein Ausbildungsberuf. Oder funktioniert es doch so?

Zu der Ausbildung könnte ich dann noch in den verschiedensten Schulen ein ca. 40-50  Stunden Teachertraining zu unterschiedlichen Themen starten, habe so weitere Zertifikate in der Tasche, die sich in meiner Vita gut machen, neue Fertigkeiten und Wissen, die ich dann an meine Schüler weitergeben oder sogar selber kleine Workshops anbieten kann? Der Markt boomt, das habe sogar ich mittlerweile bemerkt.

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David Swenson antwortete auf dem Workshop letztes Wochenende auf die Frage hin – wann ist man ein Yogalehrer? – Dann, wenn du Schüler hast bzw. jemand zu dir kommt und sagt, ich möchte das, was du machst, von dir lernen. Im Kleinen indirekt zugefügt, dass ich jedoch auch nur das weiteregeben kann, was ich mache, ich erfahren habe, ich gelehrt bekommen habe. Es ist ein Prozess.

Je weniger ich selber auf den verschiedenen Gebieten des Yoga praktiziere, je weniger ich erfahren habe, durchgemacht habe, gelehrt bekommen habe, desto weniger werde ich meinen Schülern auch weitergeben können. Es wird viel verloren gehen, wenn das vorherige nicht stimmig ist. Und was passiert, wenn auf diesem Hintergrund mit diesem Verständnis ein „eigener“ Yogastil entwickelt wird und weitergegeben wird?!

Nicht zuvernachlässigen ist natürlich das Lernen durch das Lehren selbst – von Schülern werden Fragen gestellt, man trifft auf die unterschiedlichsten Menschen mit ihren unterschiedlichsten (gesundheitlichen) Hintergründen, man wird mit Situationen konfrontiert. Dieses brigt auch viel Potenzial, sich auf seinem Weg weiter entwickeln zu können.

Yogalehrer sind keine Fitnesstrainer

März letzten Jahres habe ich mich zu meiner Ausbildung entschieden. Ich hatte mir zwar andere Ausbildungen im Netz angeschaut, teils gab es kurze Vorstellungsvideos auf Youtube dazu und war mir recht sicher, dass mir eine 200 Stunden Ausbildung nicht das wird vermittlen können, was ich suche und brauche. Ein Yogalehrer ist kein Fitnesstrainer. Obwohl ich verstehen kann, dass ein schnelles Erlangen eines Zertifikates und damit die Erlaubnis, als YogalehrerIn tätig zu werden, verlockend ist.

Da ist noch so viel mehr, was den Yoga ausmacht und dieser Punkt wird für mich immer deutlicher. Was genau, werdet ihr dann in meinem Ausbildungsblog lesen können. Dort wird es besser hinpassen.

Aber – reichen für mich die über 500 Stunden meiner kommenden Ausbildung für eine solide Basis? Natürlich versuche ich Yoga in jedem Moment zu leben. So weit halt, wie ich ihn derzeitig verstehe und umsetzen kann. Und dieses Verständnis entwickelt sich ständig weiter. Es nützt nichts, die wichtigsten yogischen Dinge „auswendig“ zu können und große Reden zu schwingen über diese und jene Themen. Yoga möchte gelebt werden. Das sind aber auch oft die Momente in denen ich denke, hui, da kommst du an eine Grenze oder hui, jetzt wird es schwierig. Dem gegenüber sind die Zeiten auf der Matte „leicht“.

Yoga im Alltag

Wirklich spannend und herausfordernd wird es im Alltag, in meinem Umgang mit den Menschen, anderen Lebewesen, Situationen. Noch spannender, wenn diese mir nicht „wohlgesonnen“ sind oder ich hier oder da in meinem Leben Erfahrungen gemacht habe, die mich zu Urteilen/ Bewertungen und daraus resultieredem Verhalten veranlassen, die meinem Gegenüber ggf. nicht gerechtfertigt sind oder mich dadurch im Handeln blockieren.

Yoga – ein Weg der Erfahrung. Das bedeutet viel eigene Praxis, viel Hingabe und das in den verschiedenen Gebieten des Yoga. Selbstreflektion spielt eine große Rolle.

Dazu brauche ich jemanden, der mir möglichst viel dessen, was Yoga in all seinen Facetten bedeutet, lehren und mich anleiten kann. Der weiß, dass das Leben nicht nur aus Schmetterlingen, Regenbögen und Einhörnern besteht und durchaus anstrengend sein kann – auch mit Yoga. Der mir auf dieser Basis den Raum gibt, meinen eigenen (Yoga)Weg zu finden. Gehen, praktizieren und erfahren muss ich ihn ebenfalls selber.

Entwicklung

Vor einem Jahr was das Wort „Philosophie“ im Yoga noch eher ein Fremdwort für mich. Etwas, das da war, aber nicht bewusst. Beim Pranayama und der Meditation war es ähnlich. Aber dann kam ganz unbewusst durch die Hintertür der Wunsch dort tiefer einzutauchen. Wenn ich mich frage warum, dann glaube ich vor allem auch dadurch, dass es mir von meinem Lehrer nicht auferzwungen wurde, sondern er für mich einfach gut verdaubare Häppchen bereit gehalten hat und hält. Ganz eigentlich könnte ich auch genauso weiter machen, denn es fühlt sich gut so an. Wofür das alles also?

Was, wenn ich mich zu einer Ausbildung entschieden hätte, bei der ich nach ein paar Wochen oder Monaten ein Zertifikat in den Händen hätte halten können? Oder in einer 4 Wochen Intensiv-Ausbildung eines ganz bestimmten Yoga-Stils? Ist da genügend Zeit und Raum zur eigenen Entwicklung?

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Nicht-Ziele

Ich hab keine Ahnung, was ich ab September erleben werde. Ich hab keine Ahnung, wie es mich zeitlich in Anspruch nehmen wird, ob ich die Zeit überhaupt werde finden können. Ich weiß auf jeden Fall, dass neben den über 500 Stunden der Ausbildung für die eigene Praxis im Alltag jede Menge dazu kommen werden plus dem, was generell gelernt werden auf aufbereitet werden sollte.

Ich merke in den letzten Monaten bereits, dass sich durch das Verschieben von Interessen automatisch ein Zurückziehen bei anderem einstellt. Allem voran ist es da tatsächlich meine Social-Media-Zeit, die sich drastisch ohne große Anstrengung eingekürzt hat, aber auch das Schreiben von Artikeln speziell in meinem Hundeblog. Zeit hat man nicht für dieses oder jenes, oft muss man sie sich nehmen. Noch schöner ist, wenn es sich einfach so entwickelt. Dann fühlt sich sich einmal mehr gut und richtig an.

Ich weiß, dass ich in meinem Werden ab September Raum zur Entfaltung bekommen werde. Das in Kombination mit einer kleinen Gruppe von SchülerInnen, die individuell betreut werden können, sind auf jeden Fall schon einmal gute Voraussetzungen für alles weitere 🙂 .

Stehe ich auf der Matte und mache dieses oder jenes, dann klappt das mal, mal nicht. Ich erwarte dort tatsächlich recht wenig oder besser, habe weniger ein Ziel vor Augen, wohin die Reise gehen könnte. Auch das war ein Lernprozess. Ich genieße das Tun und das Gefühl, welches es mir vermittelt und mich oft durch den Tag trägt.

Vermutlich muss ich es in Bezug auf die Ausbildung ähnlich angehen. Das Ziel Yogalehrerin beiseite schieben und die Zeit nutzen, um für mich selbst zu lernen, mich zu entwickeln, ohne dabei groß etwas zu erwarten. Entwicklung kann ich nicht erzwingen, Werden kann ich nicht erzwingen – sie haben ihr eigenes Tempo. Aber „machen“, das geht. Niemand zwingt mich, ich am wenigstens, nach über 500 Stunden Ausbildung Schüler zu unterrichten.

Ob aus der Ausbildung heraus irgendwann entstehen sollte (weil ich bereit dazu bin und mit einem guten Gefühl aus einem tiefen, inneren Wunsch heraus) Schüler anzuleiten, wird sich dann zeigen. Und wenn nicht wäre es auch nicht schlimm. Das Wissen und die Erfahrung gingen ja nicht verloren, denn ich lebe sie eh mit meiner Umwelt und mit mir, jeden Tag, jeden Moment, so weit es mir möglich ist.

🙏🕉

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Ein Kommentar zu „Yogalehrerausbildung quo vadis?| Tick-tack-tick-tack YLA2017

  1. Liebe Nicole,
    danke für diesen Blog. Ich finde bereits nach 5 Minuten unglaublichen Gefallen daran.
    Danke das du so offen deine Gedanken teilst. Wenn ich auf den Kalender sehe zähle ich noch 3 Monate.
    Die Aufregung steigt und die Frage die sich mir persönlich stellt…wovor eigentlich?

    Ich finde die letzten beiden Absätze besonders treffend. Que sera, sera? EIns weiß ich jedoch ganz gewiss. Die Effekte werden unvergesslich, einprägend sein.
    Es bleibt gespannt.

    Wie reagieren deine Hundis auf dich oder wenn du Asanas machst, in Meditation gehst?
    Ich bin nur Katzenbesitzer 😉 stelle aber häufiger fest, dass es sie total neugierig macht und den Blick nicht abwenden lässt.

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